Lied der Flüchtlinge

Die ersten Menschen lebten in Afrika.

Die Naturwissenschaften von der Astronomie bis zur Medizin kamen aus Arabien ins unterentwickelte Europa.

Der einzige Bereich, in dem Europa führend wurde, war die Produktion von Waffen.

Mit diesen Waffen meuchelten Sie die Ureinwohner Süd- und Nordamerikas.

Und mit diesen Waffen machten sie aus der Ersten Welt die Dritte Welt.

Jetzt heulen sie auf, über eine lächerliche Zahl von Flüchtlingen – weit weniger, als sie zu Knechten und Sklaven machten – und immer noch machen.

Der Tag ist nicht fern, bis die nächste große Völkerwanderung den Menschen hier bei uns klar machen wird, was die hemmungslose, jahrhundertelange Ausbeutung der „Dritten Welt“ bedeuten kann.

Ich habe Brechts Fassung des Liedes der Kommunarden für die Flüchtlinge umgeschrieben (nein, ich will mich nicht mit Bertolt Brecht vergleichen, aber besser konnte ich es halt nicht):

Lied der Flüchtlinge

In Erwägung unserer Schwäche, machte unserer
Land euch reich, so dass wir hungern solln.

Jetzt kommen wir in euer Land,
in Erwägung, dass wir nicht mehr hungern wolln.

In Erwägung, dass ihr uns dann eben,
mit Gewehren, Bomben und Kanonen droht,
haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, ihr gebt uns nur schlechte Schiffe,
damit wir im Mittelmeer ertrinken solln.
Wer überlebt, wird nie vergessen,
dass ihr nicht wolltet, dass wir alle essen solln.

In Erwägung, dass ihr uns dann eben,
in Lager sperrt und mit Stacheldraht bedroht,
haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, dass ihr Zäune baut,
und Waffen nutzt, die uns noch stoppen solln,
Haben wir beschlossen, eure Zäune einzureißen,
und 
das Essen uns zu holen, das wir wolln.

In Erwägung, dass ihr uns zurück
in Leid und Hunger schicken wollt,

haben wir beschlossen, euch dort hin zu schicken
weil ihr Leiden, Bomben, Hunger sicher mal erleben wollt.

Idee: Bertolt Brecht, Lied der Kommunarden
Aktualisierte Fassung, Lied der Flüchtlinge: Karl-Heinz Twele

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